Intrinsische Motivation: Deshalb kannst du andere Menschen nicht umerziehen

„Schatz, ich finde du solltest wirklich mehr auf deine Linie achten!“. Zack, Schlag ins Kontor. Zugegeben: So einen Satz haben wir im Eifer des Gefechts wohl alle schon einmal zu einem anderen Menschen gesagt. Zwar steckt dahinter (oftmals) eine gute Absicht, dennoch tragen solche Anweisungen in den meisten Fällen keine Früchte. Schlichtweg: Sie führen beim Gegenüber nicht automatisch dazu, dass dieser ab sofort das gewünschte Verhalten zeigt. Also wie im Beispiel: Ab morgen radikal seine Ernährung umstellt, mehr Sport betreibt und die Kilos purzeln lässt. Doch wieso ist das so? Der Grund dafür ist die individuelle intrinsische Motivation eines jeden Menschen. Was es damit auf sich hat und wie du ihr trotzdem etwas auf die Sprünge helfen kannst, erfährst du in diesem Blogbeitrag!

Was ist die intrinsische Motivation?

Intrinsische Motivation = eigener Wille, innenliegende Motivation, eigene Überzeugungen

In der Psychologie unterscheiden wir die intrinsische und die extrinsische Motivation. Während die extrinsische Motivationsform jene ist, die durch externe Einflüsse hervorgerufen wird, hängt die intrinsische Motivation mit der Innenwelt des Menschen zusammen.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel. Nehmen wir die Arbeit. Extrinsische Motivation entsteht durch Gründe, die im Außen liegen und uns zugeführt werden. Beispielweise die Bezahlung, die ich für die tägliche Verrichtung der Arbeit erhalte oder auch das Lob vom Chef. All jene äußeren Faktoren, die mich dazu motivieren, jeden Tag bei der Arbeit zu erscheinen und meine Aufgaben zu erledigen.

Die intrinsische Motivation entsteht jedoch nicht durch externe Faktoren. Also nicht durch z. B. materielle Dinge. Sie hängt stattdessen mit den eigenen Überzeugungen und dem eigenen Willen eines jeden Menschen zusammen. Warum gehen beispielweise Schauspieler ihrem Job nach? Was motiviert sie, obwohl sie am Ende des Monats kaum über die Runden kommen und es ein hartes Berufspflaster ist, diesem Job jeden Tag ambitioniert nachzugehen? Sehr simpel: Der Spaß an der Sache. Die Leidenschaft dafür. Der Glaube an diese Tätigkeit und an die eigene Zukunft. Die intrinsische Motivation ist auch der Grund, weshalb so viele Menschen ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen. Man macht es nicht für das Geld (extrinsische Motivation), sondern weil man etwas Gutes tun möchte und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten will. Weil man einen Sinn hinter dem Ganzen sieht und die eigenen Überzeugungen in der Tätigkeit widergespiegelt werden. Deshalb sind beispielweise auch Menschen, die ihre Berufung gefunden haben und diese aktiv ausleben, so viel glücklicher als andere.

Intrinsische Motivation: Warum kann ich andere Menschen deshalb nicht umerziehen?

Deshalb können wir andere Menschen nicht ändern

Weil meistens zwei völlig verschiedene Überzeugungen und Sichtweisen aufeinanderprallen. Die Meinung A kollidiert mit der Meinung B. Unter Umständen versteht Person B auch gar nicht, wieso Person A die Änderung überhaupt verlangt. Greifen wir das Beispiel „Abnehmen“ vom Anfang auf.

Folgende Situation: Es geht um ein Ehepaar. Der Mann hat starkes Übergewicht, die Frau möchte, dass er endlich abnimmt. Regelmäßig redet sie auf ihn ein. Gerne vielleicht mit Floskeln beim Essen a là „Deine Portion essen normalerweise zwei Leute! Findest du das etwa gesund? So wird das aber nichts mit dem Abnehmen!“.

Was ist die natürliche Reaktion eines jeden Menschen, wenn er gegängelt wird? Er macht dicht. Keiner mag es, wenn man ihn unter Druck setzt oder zu etwas zwingen möchte. Es kommt völlig logisch zum Streit und nicht selten zu Trotzreaktionen. Dann wird der Teller zu Provokationszwecken erst recht voll beladen und das Gegenüber damit bewusst zur Weißglut gebracht.

Andere Menschen sind keine kleinen Affen, die wir nach Lust und Laune dressieren und umerziehen können. Denen man ein Stück Zucker hinwirft und die dann ihre Kunststücke aufführen. Ein jeder hat sein eigenes festes Überzeugungssystem, nach dem sie oder er täglich handelt. Dieses hängt zum einen mit unserer Persönlichkeit zusammen, aber sehr stark auch mit unserem sozialen Umfeld. Sprich: Wie wir geprägt worden sind. Durch die Erfahrungen, die wir machen, verändern sich auch unsere Überzeugungen und Glaubenssätze. Nicht selten heißt es von Menschen, die in der Liebe oft auf die Nase gefallen sind, irgendwann als Resümee: „Ich glaube, ich bin einfach zu nett. Vielleicht sollte ich mich ab jetzt auch wie ein A*sch verhalten! Das scheint ja besser anzukommen.“ (By the way: Völliger Unsinn! Die richtige Person wird kommen und dich so lieben, wie du bist!)

Was kann oder sollte ich stattdessen tun?

Intrinsische Motivation_Andere Menschen nicht verändern_Das hilft wirklich

Wie schon zu Beginn gesagt: Meistens wollen wir andere Menschen in einer Sache verändern, damit es ihnen besser geht. Wir haben gute Absichten. Die Frau, die ihren Mann zum Abnehmen bewegen möchte, macht dies nicht aus Böswilligkeit. Etwa, weil sie ihrem Gatten den Genuss am Essen vermiesen will. Sie macht es, weil Übergewicht absolut ungesund ist. Weil es schwere Langzeitfolgen verursacht und das Risiko für diverse Krankheiten drastisch erhöht. Schlichtweg: Weil sie ihren Partner liebt und möchte, dass es ihm gut geht und er noch viele Jahrzehnte gesund an ihrer Seite lebt. Das Beispiel lässt sich auch gut auf das Thema Rauchen übertragen: Wenn euer Partner oder ein lieber Mensch aus eurem Umfeld euch bei diesem Thema ständig auf die Füße tritt, dann will er nur das Beste für euch. Dann möchte er vielleicht, dass ihr den 18. Geburtstag des Kindes noch miterlebt und nicht schon vorher an Lungenkrebs dahingeschieden seid. Drastisch gesagt, aber ich hoffe verständlich.

Der Schlüssel, um einem anderen Menschen einen Stups in die richtige Richtung zu geben, ist daher: Erkläre ihm deine Beweggründe. Mach‘ ihm deutlich, dass du dich um ihn sorgst. Sei dabei sanft und liebevoll, statt stürmisch und befehlerisch. Verwende Ich-Botschaften. Beginne deinen Satz beispielweise mit „Ich spreche das Thema so oft an, weil…“ und breite dann deine emotionale Lage zu dem Thema vor ihm aus. Sage ihm schlichtweg, wieso dir diese Veränderung wichtig ist. Ich weiß, dass ist nicht einfach. Aber es hilft.

Dein Gegenüber muss selbst den Willen dafür entwickeln

Sie oder er muss selbst erkennen, dass das Übergewicht oder Rauchen langfristig ungesund ist. Dass es einerseits die Lebensdauer verkürzt und andererseits die Lebensqualität auf Dauer sehr stark einschränken wird. Schlichtweg: Dein Gegenüber muss eine intrinsische Motivation aufbauen. Einen Drang in sich selbst verspüren und erkennen: „Ich habe die maximale Schmerzgrenze erreicht. Bis hierhin und nicht weiter! Es wird Zeit etwas zu ändern!“.

Nur so leitet man Veränderungen ein und bleibt auch langfristig am Ball. Falls dich generell interessiert, wie man motiviert und fokussiert bleibt, lies doch gerne meine beiden Artikel zu diesem Thema:

Fazit – Intrinsische Motivation

Wir sehen: Ein Mensch muss von sich aus wollen. Wir können ihn nicht zu etwas zwingen, was wieder seiner Überzeugungen und seiner Natur ist. Auch wenn es vielleichr schwierig zu akzeptieren ist. Aber: Wir können unserem Mitmenschen unseren Standpunkt und unsere Gründe näherbringen. Statt das nächste Mal auf jemanden einzureden und ihm energisch zu begegnen, versuch‘ es doch einfach mal mit etwas mehr Empathie und Sanftmütigkeit. Ich-Botschaften und vermittelte gute Absichten legen meistens den Grundstein dafür, dass der andere auf kurz oder lang doch noch umdenkt.

Übrigens: Die intrinsische Motivation ist auch im Arbeitskontext ein sehr wichtiges Thema. Vor allem für Führungskräfte, die gerne ein motivierteres und leistungsstärkeres Team hätten. Falls du dich gerade angesprochen fühlst, ist dieses Buch hier* vielleicht etwas für dich.

So, das wars für heute von mir. Ich hoffe, dass dir dieser Beitrag weiterhelfen und dich zum Um- oder Nachdenken anregen konnte. Falls es dich beruhigt: Ich war früher auch jemand, der andere Menschen energisch gegängelt hat. Thema von oben: Der dressierte Affe und das Zuckerstück. Seit ich die Themen intrinsische Motivation und Ich-Botschaften aber aktiv beherzige, hat sich nicht nur mein soziales Miteinander deutlich verbessert, sondern meine guten Absichten kommen auch endlich beim Gegenüber an. Und das ist doch die Hauptsache!

Wie stehst du zu dem ganzen Thema? Und war der Begriff intrinsische Motivation für dich neu? Schreib‘ deine Antworten doch gerne unten in die Kommentare!

Ich freue mich von dir zu hören und sage bis dahin,

be grateful!

deine Franzi

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2 Antworten

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